Scholz feiert in Schwerin: Deutsche Einheit bleibt unvollendet
Beim Festakt zum 34. Jahrestag der Deutschen Einheit erinnerte Bundeskanzler Olaf Scholz an die Herausforderungen und Brüche, die die Wiedervereinigung für viele Ostdeutsche mit sich brachte. Er betonte, dass die Deutsche Einheit nach 34 Jahren zwar weit vorangeschritten sei, jedoch noch nicht vollendet. Scholz mahnte die Menschen, die negativen Auswirkungen der Wiedervereinigung nicht zu vergessen und betonte, dass für viele Ostdeutsche der Umbruch nach der Einheit ein Zusammenbruch war, der ihre Lebensleistung entwertete.
Scholz unterstrich, dass Deutschland vor einer einzigartigen Herausforderung stand, als es darum ging, zwei über Jahrzehnte geteilte Gesellschaften zusammenzubringen. Er rief dazu auf, die Lebensverhältnisse in Ost und West weiter anzugleichen und mehr Ostdeutsche in Führungspositionen zu bringen. Der Bundeskanzler warnte vor dem Erstarken von Extremisten und Populisten in Ostdeutschland und betonte, dass es noch viel harte Arbeit brauche, um diese Entwicklung zurückzudrehen.
Der Festakt zum Tag der Deutschen Einheit fand in Schwerin statt und wurde von rund 450 geladenen Gästen, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, besucht. Die zentrale Einheitsfeier in Schwerin dauerte bis Freitag und bot ein vielfältiges kulturelles Programm. Am Abend trat Schlagersänger Roland Kaiser vor dem Schweriner Schloss auf, dem Wahrzeichen der Welterbestadt. Die Feier stand unter dem Motto „Vereint Segel setzen“ und nächstes Jahr wird das Saarland die zentrale Einheitsfeier ausrichten.
In seiner Rede betonte Scholz, dass die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland fest auf dem Boden der freiheitlichen Ordnung stehe und sich gegen autoritäre und nationalradikale Politik ausspreche. Er lobte die Vernünftigen und Anständigen, die anpacken und das Land voranbringen. Scholz forderte dazu auf, die Leistungen und Fortschritte seit 1990 nicht zu vergessen und die gemeinsame Entwicklung Deutschlands zu würdigen.
Der Bundeskanzler appellierte an Institutionen und Organisationen, die Verantwortung für eine weitere Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West zu übernehmen. Er betonte, dass eine zunehmende Präsenz von Ostdeutschen in Führungspositionen wichtig sei und dass dies durch einen guten Willen erreicht werden könne. Scholz forderte auch andere Bereiche auf, ihren Beitrag zur Gleichstellung zu leisten, sowohl aus Eigeninteresse als auch zum Wohle der Gesellschaft.