Umstrittener Kirchturmbau in Deutschland eröffnet

Am Donnerstag wurde der umstrittene Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche in Potsdam feierlich eröffnet, trotz Kritik und Protesten. Der Turm gilt Kritikern als Symbol des preußischen Militarismus und deutschen Nationalismus. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete den Turm als Mahnung an die Demokratie und forderte dazu auf, dass der Ort zu einem Ort der Demokratie wird. Am 21. März 1933 fand in der Kirche der erste Reichstag nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten statt, was die Debatte über Gedenken oder Verklärung weiter anheizt.
Die Debatte geht weiter, ob der Turm ein Ort des Gedenkens oder der Verklärung ist. Steinmeier betonte, dass der Turm dazu aufruft, zu erinnern und zu differenzieren, aber keinesfalls zu vergessen. Er lehnte Versuche ab, deutsche Verantwortung zu leugnen und unsere Erinnerungskultur zu diskreditieren. Die Bürgerinitiative „Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“ protestierte gegen den Bau und sieht die Kirche als Symbol des Terrors und des Militarismus.
Die evangelische Kirche plant, den Neubau als Ort für Friedensarbeit und Demokratiebildung zu etablieren. Eine geplante Ausstellung mit dem Titel „Glaube, Macht und Militär“ soll sich kritisch mit der Geschichte der Kirche auseinandersetzen. Die ursprüngliche Militärkirche aus dem Jahr 1735 brannte im Zweiten Weltkrieg aus und wurde 1968 auf Geheiß der DDR-Führung gesprengt. 2017 begannen die Arbeiten für den Neubau des Turms, der dem historischen Original äußerlich nachempfunden ist.
Der Turm ist ab Freitag für die Öffentlichkeit zugänglich, mit einer Aussichtsplattform in 57 Metern Höhe, die Besucher anlocken soll. Der Turm ist noch nicht komplett fertiggestellt, eine 30 Meter hohe Kuppel soll 2026 hinzugefügt werden, dann wäre der Turm mit 90 Metern das höchste Gebäude in Potsdam. Der Neubau des Turms kostete etwa 42 Millionen Euro, größtenteils vom Bund finanziert. Ein Wiederaufbau des Kirchenschiffs ist nicht geplant, und es wird angestrebt, den Turm als Ort des Gedenkens und der Demokratie zu etablieren.