Europäische Unternehmen fordern Kennzeichnung von Gentechnik
Auf EU-Ebene wird derzeit intensiv über die Kennzeichnungspflicht von gentechnisch veränderten Lebensmitteln diskutiert. Eine Unternehmensinitiative, bestehend aus mehr als 370 Unternehmen der Lebensmittelbranche, darunter Grosskonzerne wie Rewe und dm, hat kürzlich einen offenen Brief an die Agrarminister der EU-Staaten gerichtet. Ihr Ziel ist es, eine klare Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel zu etablieren. Vertreter der Initiative übergaben den Brief in Budapest an den ungarischen Landwirtschaftsminister, István Nagy, der derzeit Vorsitzender des EU-Ministerrates Landwirtschaft und Fischerei ist.
Die EU-Kommission schlug im Sommer 2023 eine Deregulierung der EU-Gentechnikvorschriften vor, was kontrovers diskutiert wurde. Das Europaparlament stimmte im Februar dieses Jahres ebenfalls für weniger strenge Regeln bei gentechnisch veränderten Lebensmitteln. Im Gegensatz zum Vorschlag der EU-Kommission fordert das Parlament jedoch, dass alle Produkte aus Gentechnik im Supermarkt gekennzeichnet werden müssen. Die Unternehmensinitiative betont in ihrem offenen Brief die Bedeutung der Kennzeichnung für Verbraucher, die das Recht haben sollten, selbst zu entscheiden, welche Produkte sie kaufen und konsumieren.
Kerstin Erbe, die Geschäftsführerin für Produktmanagement bei dm, betont, dass Verbraucher das Recht haben, sich vollständig über die Lebensmittel, die sie konsumieren, zu informieren. Die Unternehmensinitiative hatte bereits vor der Abstimmung im EU-Parlament im Februar die Beibehaltung strengerer Gentechnik-Kennzeichnungen gefordert. Bevor mögliche lockerere Regeln beschlossen werden können, müssen jedoch die EU-Staaten und das Europaparlament einen Kompromiss finden. Derzeit sind die Agrarminister der EU-Staaten noch nicht zu einer gemeinsamen Position gelangt, was Verhandlungen mit dem Parlament verzögert.
Sollten die Vorschläge zur Deregulierung umgesetzt werden, würde es einfacher werden, mit modernen Gentechnikverfahren neue Züchtungen zu entwickeln. Anhänger dieser Verfahren glauben, dass dadurch robustere Pflanzen mit höherem Nährstoffgehalt gezüchtet werden könnten. Dies könnte möglicherweise dazu führen, dass weniger Pestizide eingesetzt werden müssen. Die Diskussion über die Kennzeichnungspflicht und die Regulierung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln auf EU-Ebene bleibt weiterhin kontrovers und wird voraussichtlich noch einige Zeit andauern, bis eine endgültige Entscheidung getroffen wird.