Unicredit will keine feindliche Übernahme der Commerzbank
Unicredit-Chef Andrea Orcel hat in einem Interview mit der italienischen Zeitung „Il Messaggero“ bekannt gegeben, dass ein öffentliches Übernahmeangebot für die Commerzbank ausgeschlossen ist. Dies wurde aufgrund der Tatsache, dass sie bereits 9% der Commerzbank-Anteile besitzen, entschieden. Orcel betonte auch, dass die Unicredit in regelmäßigem Dialog mit verschiedenen Interessengruppen stand, darunter die Bundesregierung. Derzeit wird die Situation neu bewertet, da die Bundesregierung ebenfalls Anteile an der Commerzbank besitzt.
Die Unicredit erwarb 4,5% der Commerzbank-Aktien vom Bund und kaufte zusätzlich Aktien am Markt, um insgesamt 9% der Anteile zu halten. Dies war eine überraschende Entwicklung für den Bund, der noch 12% der Anteile besitzt. Das Bundesfinanzministerium wird die Situation zunächst analysieren. Orcel machte deutlich, dass die Bundesregierung über das Interesse der Unicredit informiert war und sie gerne einen Dialog mit dem Management der Commerzbank und der deutschen Regierung führen würden.
Eine Sperrfrist bis Anfang Dezember verhindert den Verkauf weiterer Commerzbank-Aktien durch den Bund. Commerzbank-Finanzchefin Bettina Orlopp forderte kürzlich, dass der Bund vorerst keine weiteren Anteile verkaufen solle, um dem Institut Ruhe zu geben. Das Management der Commerzbank wird nächste Woche zusammenkommen, um ihre Strategie bis 2027 zu besprechen und möglicherweise auch über die künftige Spitze des Instituts zu diskutieren.
Es wird spekuliert, dass Vorstandschef Manfred Knof vorzeitig von seinem Amt zurücktreten könnte, obwohl er angekündigt hat, seinen Vertrag bis Ende 2025 zu erfüllen. Bettina Orlopp gilt als Favoritin für seine Nachfolge. Die Fondsgesellschaft Deka drängt die Commerzbank zu einer schnellen Entscheidung über die künftige Führung. Orcel wirbt weiterhin für eine Fusion von Unicredit und Commerzbank, da er glaubt, dass mehr Wettbewerb im deutschen Bankensektor von Vorteil wäre.
Die Unicredit könnte die Commerzbank durch ihre Tochter Hypovereinsbank (HVB) mit mehr Kapital unterstützen, da beide Banken geografisch unterschiedliche Stärken haben. Die HVB ist vor allem in München und Hamburg präsent, während die Commerzbank im Rest von Deutschland, insbesondere im Nordosten, aktiv ist. Die Commerzbank konzentriert sich mehr auf das Filialgeschäft mit Privatkunden, während die HVB dies weniger tut. Orcel hat bereits positive Reaktionen aus der Unternehmenswelt, insbesondere dem Mittelstand, auf eine mögliche Fusion erhalten.