Ausland

Ljuba Arnautović‘ tragische Familiengeschichte setzt sich im neuen Roman fort

Die Familiengeschichte von Ljuba Arnautović wird in ihrem dritten Roman „Erste Töchter“ erzählt, der im Jahr 2021 veröffentlicht wurde. Die Autorin wurde 1954 in Kursk, Russland, geboren und lebt jetzt in Wien. Der Roman dreht sich um Ljuba und ihre Schwester, die bereits in Arnautovićs vorherigen Werken eine Rolle spielten. Die Geschichte konzentriert sich auf die Schwestern Lara und Luna, die von ihrem autoritären Vater Karl geprägt werden. Karl, ein ehemaliges Schutzbundkind, hat einen dominanten Einfluss auf seine Familie und setzt seine eigenen Ziele über die Bedürfnisse seiner Töchter.

Die Handlung des Romans spielt im Wien der 50er Jahre und behandelt politische Themen wie repressive Regime und die Suche nach RAF-Sympathisanten in Österreich und Deutschland. Arnautovićs distanzierter Erzählstil konzentriert sich auf äußere Umstände und lässt das Innenleben der Charaktere oft unerwähnt. Die Schwestern wachsen getrennt voneinander auf und können erst im Erwachsenenalter eine enge Verbindung zueinander aufbauen. Durch Briefe erfahren die Leser mehr über ihre Gefühle und Gedanken.

Ein zentrales Thema des Romans ist die Rolle von Frauen in einer von Männern dominierten Welt. Karl überträgt ungewollt feministische Werte auf seine Töchter, indem er sie lehrt, sich nicht von Männern unterdrücken zu lassen. Die plastischste Szene des Buches beschreibt Karl als „Frank-Sinatra-Typ“, der ein Leben als Teilzeit-Bohemien führt und seine dritte Ehefrau kennenlernt. Die Handlung enthüllt die traumatischen Erfahrungen und die Suche nach Identität der Protagonisten, die von den politischen Ereignissen ihrer Zeit geprägt sind.

Ljuba Arnautović hat bereits zwei Romane veröffentlicht, die das Schicksal der „Schutzbundkinder“ und ihre Folgen in der sowjetischen und westeuropäischen Gesellschaft thematisieren. Der Filmregisseur Goran Rebić bereitet derzeit die Verfilmung von Arnautovićs erstem Roman „Im Verborgenen“ vor, für den er gemeinsam mit der Autorin das Drehbuch verfasst hat. Arnautovićs Werke bieten eine umfassende und bewegende Darstellung der familiären und politischen Ereignisse, die die Leben ihrer Protagonisten prägen.

„Erste Töchter“ ist ein Roman, der von den turbulenten und traumatischen Erfahrungen einer Familie geprägt ist, die in einer von politischen Umbrüchen und persönlichen Konflikten gezeichneten Zeit lebt. Die Geschichte von Ljuba und ihrer Schwester bietet Einblicke in die menschliche Natur und die Suche nach Identität in einer von patriarchalen Strukturen geprägten Welt. Arnautovićs Roman ist ein fesselndes und einfühlsames Porträt einer Familie, die trotz aller Hindernisse und Traumata zusammenhält und nach Wegen sucht, ihr eigenes Glück und ihre Freiheit zu finden.

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