Parteikonferenz: Großbritannien auf der Suche nach dem Super-Tory
Die Suche nach einem neuen Parteichef in der britischen konservativen Partei nach der Wahlniederlage im Juli hat zu einem weiteren Rechtsruck geführt. Bei der Parteikonferenz in Birmingham warben eine Kandidatin und drei Kandidaten um die Nachfolge des scheidenden Parteichefs Rishi Sunak. Robert Jenrick, der das Thema Migration und den Austritt aus der Europäischen Menschenrechtskonvention in den Fokus stellt, gilt als Favorit für die Runde der letzten Zwei. Auch Kemi Badenoch, eine weitere aussichtsreiche Kandidatin, gehört dem rechten Parteiflügel an.
Während der Konferenz sorgten sowohl Jenrick als auch Badenoch mit kontroversen Äußerungen für Aufsehen. Jenrick behauptete, dass britische Elitesoldaten aufgrund der Europäischen Menschenrechtskonvention gezwungen seien, Terroristen zu töten, anstatt sie gefangen zu nehmen. Badenoch stieß auf Kritik, als sie sich gegen eine Anhebung der niedrigen Mutterschaftsleistungen in Großbritannien aussprach und stattdessen die Belastung für Unternehmen betonte. Der pragmatisch geltende Ex-Außenminister James Cleverly präsentierte sich als nahbarer Kandidat mit Regierungserfahrung, konnte jedoch keinen entscheidenden Durchbruch erzielen.
Als Außenseiter gilt Tom Tugendhat, der die Partei wieder in die politische Mitte führen will. Ob er seine Chancen verbessern kann, bleibt jedoch fraglich. Moderate Mitglieder warnen bereits vor einem Ausverkauf an Rechtspopulisten und fordern eine stärkere Berücksichtigung ihrer Stimmen. Die Entscheidung über den neuen Tory-Parteichef soll bis zum 2. November fallen, wenn die Parteibasis ihre Wahl getroffen hat. Es bleibt abzuwarten, ob die konservative Partei nach der Wahlniederlage einen neuen Kurs einschlagen wird oder weiter nach rechts driftet.