Viele Schüsse, viele Hinweise und viele unbeantwortete Fragen
Nach dem mutmasslichen Terroranschlag von München gehen die Ermittler Hinweisen auf ein islamistisches oder antisemitisches Motiv nach. Dies sei die «Arbeitshypothese», so Gabriele Tilmann von der Bayerischen Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus. Bei einem weiteren Angriff in Linz war das Motiv hingegen klar islamistisch. Ein bewaffneter Mann hatte Allahu Akbar gerufen und angekündigt, Polizisten töten zu wollen. Die Ermittler fanden in seiner Wohnung eine Flagge des Islamischen Staats.
Im Fall München basiert die Arbeitshypothese der Ermittler auf Erkenntnissen aus Österreich. Der 18-Jährige soll Hinrichtungen in Videospielen nachgestellt haben und Sympathien für extremistische Organisationen gezeigt haben. Zudem deuten Ort und Zeit des Angriffs auf ein islamistisches Motiv hin, da der Täter am Jahrestag des Olympia-Attentats in München auf das NS-Dokumentationszentrum und das israelische Generalkonsulat geschossen hat. Der Vater des Angreifers beschrieb ihn als psychisch auffällig und berichtete von Veränderungen in seinem Verhalten während der Pandemie.
Der Schütze feuerte insgesamt neun Schüsse auf verschiedene Gebäude, darunter das NS-Dokumentationszentrum und das israelische Generalkonsulat. Später richtete er die Waffe auch auf Polizisten, die ihn schliesslich erschossen. Der Mann hatte die Waffe einen Tag vor dem Anschlag von einem Sammler erworben, obwohl er eigentlich ein Waffenverbot hatte. Die bayerische Polizei hatte zuvor keine Informationen über den Schützen, was Fragen nach eventuellen Mittätern oder Unterstützern aufwirft.
Die Ermittlungen konzentrieren sich nun sowohl auf das mutmassliche Motiv des Täters als auch auf mögliche Mittäter oder Helfer. Es wird untersucht, ob der 18-Jährige in ein Netzwerk eingebunden war. Der Ablauf der Tat wirft zudem Fragen auf, da der Täter offenbar dilettantisch vorging und auch auf Nachbargebäude schoss. Er versuchte, einen Zaun zum israelischen Generalkonsulat zu überwinden, was ihm jedoch nicht gelang. Trotz einer vorbeifahrenden Streife, die ihn entdeckte, gelang es dem Täter nicht, seinen ursprünglichen Plan umzusetzen.
Insgesamt zeigt der mutmassliche Anschlag in München die Relevanz der Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus. Ermittler aus verschiedenen Ländern arbeiten zusammen, um Hintergründe aufzudecken und mögliche Risiken für die Sicherheit zu minimieren. Die genaue Motivlage und etwaige Mittäter müssen noch ermittelt werden, um weitere Anschläge zu verhindern und die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten.