Schweizer Unternehmen schwärmen weiterhin davon.

In einer wirtschaftlich herausfordernden Situation geht es um die Demonstration von Stärke. Vielleicht auch, um Aktionären und anderen Stakeholdern zu zeigen, dass man die Lage im Griff hat. Das Bedürfnis nach Kontrolle sei gross. Christian Klein, Chef des deutschen Software-Giganten SAP, will seine Mitarbeitenden zurück ins Büro holen. Bislang mussten sie zwei Tage in der Woche im Büro arbeiten, während sie zuvor sogar komplett von zu Hause aus arbeiten konnten. Klein gilt als Trendsetter, da immer mehr Unternehmen auf Homeoffice verzichten. Kürzlich gab sogar das Videotelefonie-Unternehmen Zoom das Homeoffice auf und fordert nun zwei Tage Büro pro Woche als Mindeststandard für die Mitarbeitenden.
In der Schweiz sind Firmen jedoch noch nicht bereit, ihre Mitarbeitenden zurück ins Büro zu holen. Viele Unternehmen halten weiterhin am Homeoffice-Modell fest und loben dessen Vorteile. Swiss Market Place Group (SMG) gibt an, dass rund 95 Prozent ihrer Mitarbeitenden im Homeoffice arbeiten, wobei sie etwa 40 Prozent der Arbeitszeit vor Ort verbringen. Andere Schweizer Unternehmen wie ABB Schweiz, Nestlé und die Schweizerische Post setzen ebenfalls auf Flexibilität und bieten ihren Mitarbeitenden die Möglichkeit, im Büro und von zu Hause aus zu arbeiten.
Die Swisscom fördert weiterhin mobiles Arbeiten und legt Wert auf einen sinnvollen Mix von Büroarbeit und Homeoffice. Auch andere Unternehmen wie Green.ch, Raiffeisen, die Zürcher Kantonalbank und UBS setzen auf hybride Arbeitsmodelle, die es den Mitarbeitenden ermöglichen, flexibel zwischen Büro und Heimarbeit zu wechseln. Google bietet weltweit seinen Mitarbeitenden die Möglichkeit, drei Tage im Büro und zwei Tage remote zu arbeiten, sowie vier Wochen pro Jahr von einem beliebigen Ort aus.
Trotz des Trends zur Rückkehr ins Büro gibt es Unternehmen wie die Schweizer Liftbauer Schindler, die beim Homeoffice zurückkrebsen und ihren Mitarbeitenden wieder mehr Präsenz im Büro abverlangen. Das Unternehmen rechtfertigt diesen Schritt mit „Solidarität“, da Angestellte in der Produktion nicht von zu Hause aus arbeiten können. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Trend zur Rückkehr ins Büro auch in der Schweiz anhalten wird oder ob Unternehmen weiterhin auf Flexibilität und Homeoffice setzen werden.





